Philipp Hauer - Invasion

von Philipp Hauer. Beendet am 07.01.2008. Veröffentlicht am 14.01.2008. ©

Das Bild

Philipp Hauer - Invasion ©

Intention

Vorwort

Mein Kunstwerk mit dem Namen „Invasion“ ist im Stile des abstrakten Expressionismus, jenem Stile dem Wassily Kandinsky während seiner Zeit am Bauhaus verschrieben war. Er schuf abstrakte Kunstwerke aus Punkten, Flächen und geometrischen Formen, die er zu einem durchkomponierten Werk zusammenfügte. Er schrieb Kunstgeschichte.

Für mich ist das faszinierende an abstrakter Kunst, dass der Betrachter nicht vor einer in Mund gerechte Stücke gebrachten, „kopieren“ Wirklichkeit (wie beim Realismus) gestellt wird und diese dann nur noch zur Kenntnis nimmt, sondern sich in das Werk hinein fühlen kann und davon ausgehend versuchen kann, die Wirklichkeit oder das Gefühl darin zu entdecken. Das ist ein ganz individueller Prozess und stellt dem Betrachter vor einer verlockenden Herausforderung: Tief im Werk eingedrungen, kann man die Wirklichkeit begreifen, suggerieren und abstrahieren,  vom ausgedrücktem Gefühl mitgerissen werden, in eine andere Welt abtauchen oder sich einfach erholen. Darum wählte ich die abstrakte Kunst als Stilrichtung für mein Schaffen.

Analyse (Auswahl)

Invasion

In meinem Werk rückt die Komposition in den unmittelbaren Vordergrund, welche durchdacht und bewusst eingesetzt wurde:

Fast das gesamte „Geschehen“ spielt sich auf einer Art Ebene ab, die interessant perspektivisch verzerrt ist. Alles außerhalb dieser ist weiß, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Geschehen auf der Ebene zu lenken. Die Formen auf dieser sind zwar nicht räumlich modelliert (kein Schattenwurf etc.), suggerieren jedoch eine gewisse Räumlichkeit, da sich in ihnen Verläufe befinden und sie sich untereinander überdecken. Diese Verläufe sind linear, was sie ordentlich und sauber, aber auch etwas kalt und gefühllos erscheinen lässt. Schaut man sich manche überdeckungen einmal genauer an, stellt man fest, dass es sich bei ihnen nicht wirklich um solche handelt, da das überdeckte Objekt oft immer noch zusehen ist. Der Betrachter ist geneigt, diese Eigenart näher zu betrachten.

Die  Ebene lässt sich weiterhin klar in 3 Bereiche einteilen: Der blauen, roten und grünen Zone, sowie der undefinierbare komplexe Formenbereich.

Oben rechts, befinden sich vorwiegend eckige Formen (wie Vierecke, Dreiecke und Winkel) mit einer geraden scharfen schwarzen Konturierung. Diese Formen sind in kalten Farben, wie blau und violett gehalten. Die schwarzen Striche von verschiedener Stärke vereinigen sich oft zu rechtwinkligen Gebilden.  Unterlegt ist diese Zone von einem großen Winkel mit einem Verlauf von dunkelblau zu transparent. Die Farbigkeit und Formgebung  lässt diesen Bereich kalt und kühl kalkuliert erscheinen und unterscheidet ihn somit deutlich von den anderen Bereichen. Dabei sind diese Formen, wie alle Formen in meinem Bild, bewusst angeordnet: Sie verweisen auf das grün strahlende Etwas in der Nähe des Bildmittelpunktes. So sind viele Linien diagonal fallend und die Winkel und Dreiecke mit der Spitze zu diesem Etwas angeordnet; sie zeigen fühlbar darauf. Das Auge des Betrachters wandert dorthin.

Auch der Bereich unten links hat seine Eigenarten, die ihn einzigartig werden lassen: Hier herrschen runde Formen (wie Kreise und Ellipsen, aber auch schnörkelige Gebilde) sowie geschwungene Linien vor (Formkontrast in Hinsicht auf die anderen Bereiche; geschwungene Linie (rot)-gerade Linie (blau)-gezackte Linie (grün)). Auch ist die Farbigkeit, leuchtendes, kräftiges Rot bis Orange,  bewusst konträr zu den anderen Bereichen gewählt (z. B. zur blauen Zone: Warm-Kalt-Kontrast). All das lässt diese Zone wesentlich lebendiger, temperamentvoller und schneller erscheinen. Aber auch hier zeigen die Winkel, Linien und Formen auf das pulsierende Etwas.

Schließlich befindet sich unten rechts die Grünzone: Eine Bereich in dem die Farbe Grün und zackige Formen vorwiegen, was ihn giftig und aggressiv erscheinen lässt. Auch hier finden wir das typische Verweisen der Formen in Richtung des leuchtenden Etwas‘.

Invasion

Dieses Etwas stellt den Schwerpunkt meines Bildes da, da es der Mittelpunkt meiner Komposition ist. Das hat viel Gründe: Zum einen die bereits genannten (viele Formen verlaufen fallend dorthin bzw. zeigen darauf), zum anderen, ist es eines der wenigen Elemente im Bild, die die Ebene überschreitet. Der leuchtende Charakter dieser Form, die vielen kleinen grauen Dreiecke, Vierecke und Kreise, der schwarze Punkt in der Mitte, sowie die geschwungenen Formen um dieses herum unterstreichen diese Tatsache. Schaut man genau hin, erkennt man im ganzen Bild verteilt fragmentartige, weiße, schwarz konturierte Sterne, Kreise und Vierecke, die ellipsenförmig um dieses Zentrum angeordnet sind. Der Blick des Betrachters fällt zuerst dorthin…

… Nur um danach sofort zum Bereich oben links gezogen zu werden. Dort befindet sich eine Zone, der mit dem restlichen Bild im heftigen Kontrast steht. Dort herrschen unkonturierte, wilde, komplexe Formen vor. Es handelt sich dabei um 4 Gebilde, die scheinbar nach den Rest des Bildes greifen. Sie sind (mit der Mittelpunktform) die einzigen Elemente der Komposition, die die Ebene überschreitet, was ihre besondere Rolle nur noch verdeutlicht. Sie erscheinen wir ein Fremdkörper, der die Harmonie des Bildes, die es vielleicht irgendwann einmal gegeben hat, gestört hat. Nun wirkt das Bild zerteilt, fragmenthaft und disharmonisch.

Interpretation

Das die Formen oben links die titelgebende „Invasion“ darstellt, mag offensichtlich erscheinen.  Wie bei einer wirklichen Invasion bzw. dem Eindringen eines Fremdkörpers wird die bestehende Ordnung oft irreversibel gestört und geändert.  Die Invasoren greifen nach dem Bestehenden. Das ebenenüberschreitende Leuchten des „Etwas‘“ kann als Art Notruf, als letzter verzweifelter Hilferuf, gedeutet werden.

Und hier offenbart sich die Faszination an abstrakter Kunst; nämlich die Möglichkeit sie beliebig auf die Wirklichkeit in all ihren Facetten zu übertragen. So gibt es auch für mein Kunstwerk eine so große Menge von Bereichen in der Realität, auf die man es beziehen könnte, dass ich sie unmöglich alle nennen könnte – und es auch gar nicht möchte.

Die Besiedelung der Europäer in Amerika um 1492, Das Wirken eines Virus‘ im menschlichen Körper, Kriege in der Gesichte der Menschheit, die Vier Jahreszeiten, Tierwanderungen, aber auch Revolution und große Reformen sind nur einige der unzähligen Beispiele, die mir auch nur im Nachhinein in den Sinn kam oder durch Freunde angeregt wurden.

Zuerst war das abstrakte Kunstwerk, dann die Interpretation, die dann doch nur ein von vielen möglichen ist.

 

Kommentare
Temenios 2011-10-21 13:05:58
Ist die Ansammlung geometrischer Elemente und willkürlicher Linien nicht nur die oberflächlicher Kitsch, wenn der Autor nur im Nachhinein reininterpretiert? Dem großen Ganzen, dem Gedanken beim Erschaffen, der Ausdruck wird dieser willkürlich erscheinenden Sammlung von Elementen im Nachgang aufgedrückt. DEm entsprechend kannst du alle Elemente die du vor dir auf dem Monitor und von mir aus unter dem Tisch oder sonstwo hast zur Interpretation bringen. Abstrakt ist es. Doch ist es damit was Gutes? Was Bereicherndes? Für Leute mit Hyperbewusstsein ja. Die können sich einschließen und anfangen über Schnürsenkel zu philisophieren. Biete dem Rezipienten doch die Möglichkeit sich deinen Ideen im Werk zu nähern. Das Ding ist kalt. Richtig! Weil dein Gefühl nicht die Komposition und das Ausdrucksmittel leitet, sondern Software-Werkzeug, autodidaktische Aneigung von Komposition und Stochastik. Komponiere mit einer Idee des gezielten Ausdrucks, einer gezielten Idee! Sehen was ich will kann ich auch in meinen Schnürsenkeln. Stelle die richtigen Fragen, treibe den Geist in eine Richtung, versuche Lösungen zu finden oder zu hinterfragen, aber mach nicht so\'n belangloses Zeug, wo jeder sehen kann was er will. Der Geist will gefordert werden und nicht in einer achsotoll abstrakten Chill-Out-Zone ohne Forderung dahinvegetieren und vor sich hindümpeln, um zu sehen, worauf er heute Lust hat zu denken.
Kann 2011-04-06 01:02:07
Wow, je länger ich das Bild betrachte, umso \"stärker\" wird es.

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