Flash als Instrument zur Webgestaltung. Pro & Kontra und Einsatzgebiete.
Eine Ausarbeitung von Philipp Hauer. Erstellt am 23.12.2005. ©
Inhaltsangabe
- Was ist Flash?
- Einsatz im Internet
- Flash-Dateitypen
- Pro - Vorteile von Flash
- Kontra - Nachteile von Flash
- Streitfall Flash
- Fazit
- Das Wort zu Flash
- Beispiele für Flash im WWW
- Anhang (Erklärung des Verfassers)
Was ist Flash?
Macromedia Flash ist ein auf Vektorgrafik basierendes Grafik- und Animationsformat; gewissermaßen eine Entwicklungsumgebung zur Erstellung von kleinen Flashfilmen oder interaktive Animationen. Es wurde von der amerikanischen Firma Macromedia entwickelt und fortwährend verbessert und ausgebaut. Flash wird direkt im Browser ausgeführt und dargestellt, sofern ein spezielles Plugin in diesen installiert wurde. Flash hat sehr viele Einsatzgebiete - sowohl online als auch offline. In diesen Artikel wird ausschließlich auf den Flasheinsatz im World Wide Web eingegangen.
Einsatz im Internet
Die Einsatzmöglichkeiten von Flash im WWW sind mannigfaltig:
- Flashfilme. Oft werden kleinere Videos statt in den gängigen Formaten (*.mpg, *.mov, *.ram) in einer Flashdatei (*.swf) auf der Internetseite eingebunden und dargestellt. Die Vorteile sind vergleichsweise geringer Datenmengen und eine bessere Integration in die Internetseite.
- Animationen. Häufig findet Flash Verwendung in Form von kleinen aufwendigeren Animationen, die weiter keinen Sinn haben, als einfach gut auszusehen (Ausschmückung). Diese Animationen lassen sich sehr gut in die restliche Site integrieren.
- Navigation. Flash-Navigationen finden auch hin und wieder ihren Einsatz. Hier wird die HTML-Navigation durch eine Flashdatei ersetzt, die den gleichen Zweck erfüllt und mit schönen Effekten aufwarten kann.
- Intros auf Eingangsseiten. Man kennt die so genannten Eingangseiten, die vor der eigentlichen Internetseite geschoben werden und die man dann mindestens nach dem ersten Mal anschauen, nur noch frustriert wegklickt. Auf diesen Eingangseiten wird meist ein größerer Flashfilm abgespielt.
- Online-Spiele. Die hohe Interaktivität von Flash lässt sogar kleinere Spiele zu, die man direkt im Browser spielen kann. In der Games-Sektion dieser Homepage können sie sich ein Bild davon machen.
- Virtuelle 360°-Rundgänge. Häufig auf Seiten von Hotel- oder Ferienwohnunginhaber verwendet, damit sich der Besucher ein möglichst genaues Bild von der entsprechenden Lokalität machen kann.
- Gesamte Internetseiten. Auch kompletten Internetseiten können mit Flash realisiert werden. Hierbei besteht die Homepage (samt Navigation, Kopf und der Inhalte) aus einer großen Flashdatei. Diese Form der Flashanwendung steht am stärksten in der Kritik. Doch mehr dazu bei den Nachteilen.
Flash-Dateitypen
Nun folgt eine Darstellung der möglichen Datentypen von Flash (Tabelle aus [1]):
Extension/
Dateisuffix |
Bedeutung |
| SPA |
FutureSplash-Dokument |
| FLA |
Quell-, Entwickler-Dateien |
| AS |
ActionScript-Dateien |
| SWF |
kompilierte Dateien (Small Web Format/Shockwave Flash) |
| FLV |
Video-Flash-Dateien |
| ASC |
Serverseitige Actionscript-Dateien (Flash Communicationb Server) |
| ASR |
Serverseitige Actionscript-Dateien (ActionScript Remote/Flash Remoting) |
| JSFL |
Flash-JavaScript-Dokument |
| FLP |
Flash-Projekt-Dokument |
| ASO |
ActionScript Objekt-Dateien |
| SWD |
Flash-Debugger-Dokument |
| SWC |
vorkompilierte Flash MX 2004 Komponenten-Dateien |
| ASI |
ActionScript-Intrinsic-Dateien (Flash MX 2004 Komponenten) |
| SOL |
localSharedObject (Flash-"Cookie") |
| SCR |
Screensaver-Dateien (Bildschirmschoner) |
Zu Beachten sind die Formate *.fla und *.swf. Das *.fla-Format ist gewissermaßen das Ausgangsformat, dass dann in *.swf umwandeln wird. Im Internet findet fast ausschließlich *.swf Anwendung.
Pro - Vorteile von Flash
- Schwer verständliche Abläufe lassen sich multimedial besser erklären und veranschaulichen. So lässt sich beispielsweise die Funktionsweise eines Automotors mit Flashanimationen plausibel darstellen.
- Streambar. Flash unterstützt Streaming. Das heißt, dass ein Teil bereits dargestellt werden kann, während der Rest noch geladen wird. Der Benutzer merkt davon jedoch nichts.
- Preloadfunktion ("Vorcachung"). Bestimme Teile können vorgeladen und im Cache-Zwischenspeicher des Browsers abgelegt werden, damit später - wenn die Teile gebraucht werden - nicht mehr so lange Ladezeiten anfallen.
- Vektorgrafik. Durch den Einsatz von Vektorgrafik ergeben sich folgende Vorteile:
- Große Skalierbarkeit. Da bei Vektorgrafik nur die Konstruktionsbeschreibung von geometrischen Körpern gespeichert wird und nicht Pixel für Pixel, ergibt sich eine relativ große Skalierbarkeit.
- Vergleichsweise geringe Ladezeiten. Im Vergleich zu pixelbasierenden Formaten hat Vektorgrafik geringere Datenmengen, wodurch sich geringere Ladezeiten ergeben. (Dieser Punkt ist kein Widerspruch zu dem gleichnamigen Punkt im Kontrabereich)
- Flash kann auf Datenbanken zugreifen (u. a. Formulare). Flash kann bis zu einen gewissen Grad mit serverseitigen Sprachen wie PHP kommunizieren und interagieren. Eine Formularunterstützung ist damit gegeben.
Kontra - Nachteile von Flash
Anmerkung: Die folgenden Punkte beziehen sich primär auf die Flashverwendung als komplette Internetseite. Auch ist zu berücksichten, dass es für viele der im folgenden genannten Nachteile divserve Möglichkeiten gibt, sie zu umgehen (siehe hier, hier, hier und hier. Danke an C. Hagenbrock für den Tipp). Dazu ist aber ein bestimmtes Know-How im Umgang mit Flash nötig. Das ist leider viel zu selten der Fall. Es gibt also Funktionen um die Nachteile zu beheben, aber wer sie nicht nutzt, verschenkt usability.
- Suchmaschinenunfreundlich. Suchmaschinen bedienen sich so genannter Spiders (oder Robots/Crawlers), kleinen flinken Programmen, die das Internet automatisch nach Inhalten durchsuchen und diese in einer Datenbank ablegen. Wenn dieser Robot auf das HTML-Dokument kommt, in dem die Flashdatei eingebunden ist, so findet es kaum Inhalt sondern nur den Befehl zum Einbinden der *.swf-Datei. Kein Inhalt bedeutet keine Indexierung und dass wiederum keine Besucher durch Suchmaschinen. Die Suchmaschinencrawlers verstehen nämlich kein Flash und können nicht den Inhalt der Flashdatei lesen und indexieren.
- Benutzerunfreundlich (non-usability). Gründe:...
- Lange Ladezeiten. Besonders bei großen Flashdateien (z. B. bei ganzen Flashinternetseiten) ist die zu übermittelnde Datenmenge je nach Anzahl und Aufwendigkeit der Videos/Animationen und der Musik sehr hoch. Die Konsequenzen sind lange Ladezeiten (im Vergleich zu normalen HTML-Seiten).
- Häufig ist das Scrollen per Mausrad und Markieren des Textes nicht möglich. Der Benutzer fühlt sich unwohl, da er seine gewohnten Techniken nicht anwenden kann.
- Ausdrucken ist nicht möglich. Der Inhalt von Flashdateien (Text, Bilder) lässt sich nicht ausdrucken. Ein Beispiel: Geht man auf mauclub.de und schaut sich die Druckvorschau des Browsers an, so bekommt man ein weißes Blatt zu Gesicht. Markieren, kopieren und wo anderes einfügen funktioniert auch nicht, da man nicht markieren kann.
- Schriftgröße ist nicht veränderbar. Der Benutzer kann die Größe der Schrift im Browsers nicht manuell vergrößern, um besser lesen zu können. Zudem wird die Schriftgröße bei Flashseiten tendenziell zu klein gewählt.
- Navigationselemente (Vor/Zurück) des Browsers nicht nutzbar. Der Zurück-Button des Browsers bezieht sich auf HTML-Dateien bzw. auf die bereits dargestellten URLs. Doch bei einer Flashhomepage ändert sich die URL nicht. Man bleibt auf einer HTML-Datei, in der die Flashdatei eingebunden wird, egal welcher spezifische Inhalt gerade "geflashed" wird. Eine Navigation innerhalb der Flashdatei, der eigentlichen Internetseite, ist per Vor- oder Zurückbutton nicht möglich.
- Nicht Barrierenfrei. Menschen mit Behinderungen haben mit Flashinternetseiten ihre Probleme. Auch Textbrowser können Flash nicht interpretieren.
- Häufig feste Breite und Höhe im Fenster. Die eingebundene Flashdatei ist in Höhe und Breite fest definiert. Sie lässt sich nicht manuell skalieren. So kann es auch passieren, dass man bei kleinen Bildschirmen bzw. Auflösungen nicht alles dargestellt wird.
- Kleingeräteunkompatibel (PDAs/Handys). Wie oben schon beschrieben brauchen Flashdateien einen bestimmten Platz, der jedoch auf den kleinen Handydisplays nicht gegeben ist. Dadurch interpretieren die handyinternen Browser meist Flash gar nicht erst.
- Flashinternetseiten haben nur einen Titel. Wie bereits gesagt, haben Flashsites nur einen Titel und zwar den der HTML-Datei, in der die Flashdatei eingebunden wird. Nur ändert sich im Zuge des Surfens die HTML-Datei (die URL) nicht, egal welcher Inhalt gerade in der Flashdata angezeigt wird. Das ist insofern schade, als dass ein (besonders für Suchmaschinen) wichtiges Mittel zur Kennzeichnung des gerade dargestellten Inhalts verloren geht.
Streitfall Flash
Anmerkung: Die folgenden Punkte beziehen sich primär auf die Flashverwendung als komplette Internetseite.
- Spektakulär, dynamisch, akustisch. "Während es der eine toll findet, wenn bei jeder Mausbewegung etwas Neues auf dem Bildschirm flackert, rotiert oder gar explodiert und dazu Hardmetal-Klänge unterbrochen durch Pfeif- und Quietschgeräusche aus den Lautsprechern dröhnen, empfindet ein anderer schon jede grafische Extravaganz als unnötige 'Spielerei'." (aus [4]) Ich denke jedenfalls, es ist falsch und unprofessionell, die teilweise wirklich aufwendigen und hübschen Animationen kategorisch als Nachteil von Flash zu deklarieren, nur weil es manche Menschen nervt. Es ist ganz einfach eine Geschmacksfrage - der eine mag es, der andere nicht. Das sollte man tolerieren.
- Browserplugin benötigt. Auch dieser Punkt wird häufig Flash zum Nachteil gereicht. Die Argumentation scheint logisch: Ohne das installierte Browserplugin ist das Darstellen von Flash nicht möglich. Doch man sollte auch realistisch sein: Aktuelle Browser wie der Internet Explorer 6 haben das Flashplugin standardmäßig bereits installiert. Bei anderen Browser wie dem Mozilla Firefox kann man das Plugin vollautomatisch mit 3 Klicks nachinstallieren und die Installation dauert ca. 15 Sekunden. Laut Hersteller Macromedia beläuft sich die Verbreitung des Flashplugins auf 95 %. Schlussfolgernd kann man sagen, dass das benötigte Browserplugin nur ein theoretischer Nachteil ist, da es entweder serienmäßig vorinstalliert ist oder schnell und einfach nachinstalliert werden kann.
- Keine Bookmarks (Lesezeichen/Favoriten) und Deeplinks setzbar. Wie weiter oben geschrieben, bleibt man auf ein und derselben HTML-Dokument bzw. einer URL. Diese URL wird beim Bookmarken gespeichert. Will man also innerhalb einer Flashsite ein Lesezeichen setzten, so würde man beim späteren Aufrufen dieses Lesezeichens wieder beim Beginn der Flashapplikation landen. Manche Webautoren begrüßen jedoch diesen Umstand, denn sie wollen, dass der Besucher immer über die Startseite geht. Es bleibt aber benutzerunfreundlich.
Fazit
Flasheinsatz als komplette Internetseite
Grundsätzlich hat Flash ein nahezu unbegrenztes Potenzial und bietet mannigfaltige Möglichkeiten - je nach Fähigkeit des Programmierers.
Man sollte jedoch abwägen, wann Flash angebracht und wann unangebracht, gar nachteilig ist. Will eine Privatperson seine eigene Homepage kreieren und erstellt sich eine reine Flashsite, so ist das vollkommen in Ordnung. Flash kann nun mal etwas hermachen und ist auch manchmal hübsch anzusehen. Man sollte jedoch über die Nachteile im Klaren sein.
Will man hingegen Informationen publizieren oder gar via Internet verkaufen (E-Commerce), so sollte man von Flash Abstand nehmen. Gründe dafür sind die Suchmaschinen- und Benutzerunfreundlichkeit. Keine E-Commerce-Firma sollte seinen Benutzer mit einer unkomfortablen Bedienung belasten, auch wenn sie noch so schön anzusehen ist. Dazu kommt, dass man mit einer Flashsite kaum Besucher (und damit Kunden) durch Suchmaschinen bekommen wird. Gleiches gilt für Informationsseiten. Inhalte können noch so gut sein, aber wenn sie in einer *.swf-Datei vor dem Suchmaschinenauge versteckt sind, wird kaum ein Suchmaschinenuser sie je zur Gesicht bekommen.
Sonstige Flashverwendung
Ansonsten kann Flash als Bereicherung im WWW angesehen werden. Mit Flash ist fast nichts unmöglich: von Browser-Spielen über Videos bis hin zu interaktiven Rundgängen. Hier ist der Einsatz sinnvoll.
Resümee: Flasheinsatz im Internet - Wann sinnvoll, wann unklug?
In der folgenden Tabelle sind noch einmal die Einsatzmöglichkeiten von Flash aufgezeigt mit einer Bewertung. Oft muss man dabei zwischen Optik und praktischen Nutzen abwägen. Das Optik-Argument kann man zwar nahezu überall einsetzen, ich habe es jedoch dort wegelassen, wo die Nachteile überwiegen.
| Einsatz |
Fazit |
Begründung, Bemerkung |
| Flashfilme |
sinnvoll |
Im Vergleich zu anderen Videoformaten geringe Datenmengen, Preload- und Streamfunktion. |
| Animationen |
strittig |
- Benutzerunfreundlich: unnötig lange Ladezeiten zusätzlich zu der restlichen Seite. Vollkommen funktionslos und dadurch entbehrlich.
- ästhetisch. Schicke Optik. |
| Navigation |
unklug |
Suchmaschinenunfreundlich: Robots können den Links in der Flashdatei nicht folgen |
| Intros auf Eingangsseiten |
unklug |
Eingangseiten sind nervig und suchmaschinenunfreundlich, obwohl sie durch Flash sehr hübsch anzusehen sind. Aber spätestens beim 2ten Besuch klickt man das Intro nur noch weg. |
| Online-Spiele |
sinnvoll |
Flash ermöglicht große Interaktivität und eine schicke Optik. |
| Virtuelle Rundgänge |
sinnvoll |
Flash ermöglicht große Interaktivität und eine schicke Optik. Hoher Informationsgehalt. |
| Gesamte Internetseiten |
unklug |
- Suchmaschinenunfreundlich: Weder Links noch Inhalte können indexiert werden.
- Benutzerunfreundlich: Viele oft eingesetzte Techniken zum/beim Surfen (Scrollen mit Mausrad, Ausdrucken, Text markieren, Browserbuttonnavigation) funktionieren häufig nicht. |
Das Wort zu Flash
>> Es spricht nichts gegen den Einsatz von Flash, wenn es die eigentliche Seite sinnvoll ergänzt, sie jedoch nicht behindert oder gar ersetzt.
Hier gehts weiter (Beispiel für Flash im WWW; Anhang [Erklärung des Verfassers])