Die Vergreisung und Schrumpfung eines ganzen Volkes kommt nicht von ungefähr. Sie sind Teil eines komplizierten Netzes von kausalen Zusammenhängen voller Spiralen und Wechselbeziehungen. Das folgende Schema soll die Problematik andeuten.
Die beiden Hauptgründe sowohl für die Bevölkerungsschrumpfung als auch für die Demografische Alterung bzw. Vergreisung sind:
Die logische Konsequenz auf den geringen Geburten ist eine geringere Anzahl an Kindern und Jugendlichen. Diese fehlen dann aber später ihrerseits als Eltern, was noch geringere Geburten zur Folge hat. Die Spirale setzt sich so fort:
Geringe Geburten -> Weniger Kinder -> Weniger Eltern -> Noch weniger Geburten -> Noch weniger Kinder...
Diese Eigenart nennt man Trägheit, Schwung oder Eigendynamik von demografischen Prozessen. Infolge dieser Trägheit sind demografische Erscheinungen wie die Alterung oder die Schrumpfung für Jahrzehnte unumkehrbar. Aus der 'Teufelsspirale' ist nur schwer zu entkommen.
Aus dem Fehlen von Erwachsenen folgt ein Mangel an Erwerbstätigen und damit an Leuten, die Steuern zahlen. Dieser schrumpfenden, jungen Bevölkerungsschicht stehen viele Alte und Rentner gegenüber. Diese Gruppe ist einerseits quantitativ so stark, weil einerseits die Lebenserwartung gestiegen ist und andererseits die geburtenstarke Jahrgänge der 60er und 70er auch ins Rentenalter nachrücken. Folglich gibt es einen hohen Bedarf an sozialen Leistungen, wie Rente und (Kranken)Pflege.
Denn durch die höhere Lebenserwartung werden perspektivisch auch die Leistungen in der Pflege zunehmen. Leistungen, die in den vergangenen Jahrzehnten oft auch von Familienmitgliedern übernommen wurden, wie beispielsweise eine 24 Stunden Betreuung der bedürftigen Eltern. Man kann heutzutage auch aufgrund der zunehmenden Mobilität und der gestiegenen Berufstätigkeit in der Gruppe der Frauen nicht mehr davon ausgehen, dass dieser Einsatz dauerhaft innerhalb der Familie erbracht werden kann.
Doch diesem gestiegenen Bedarf steht eine viel kleinere Bevölkerungsgruppe der Jungen gegenüber. Beim heutigen Abgabe-Leistungs-Verhältnis wären die Jungen damit überfordert - sie könnten die Anforderungen nicht decken. Dieser Widerspruch, diese Kluft zwischen Jung und Alt, würde mittelfristig zur Krise der sozialen Systeme führen, da es einfach an Geld fehlt. Sowohl beim Volk, dass die verlangten Abgaben kaum zu decken vermag und beim Staat, der weniger Geld zur Verfügung hat.
Auch für die Wirtschaft haben die geringen Geburtszahlen fatale Folgen. Es wird ihr irgendwann an Konsumenten, Facharbeiter, Denker, Auszubildende und Arbeitskräfte fehlen. Die Bedürfnisse und die inländische Nachfrage werden sinken, weil ganz einfach weniger Konsumenten da sind. Weniger Konsumenten, bedeutet weniger Geld im Umlauf. Das Einkommen und die Beschäftigung nehmen ab.
Auch wird häufig behauptet, dass junge Leute besonders innovativ und risikobereit sind. Nur sie haben den Mut zu Investitionen und sind damit wettbewerbsfähig. Diese Fähigkeit wird den alten Leuten häufig abgesprochen. Solche Argumentationen hört man oft - zugegeben: sie sind nicht von der Hand zu weisen. Dennoch dürfen sie angezweifelt werden.
All das führt langfristig zur Rezession, Deflation, Stagnation, Verarmung und Wirtschaftskrise der gesamten Nation führen. Die Lage verschlechtert sich weiter. Die Wirtschaft ist am Boden.
Jetzt kann man anführen: Wieso weniger Konsumenten? Die Alten sind doch noch da? Ja, sind sie und trotzdem wird der Gesamtkonsum sinken, da die Bevölkerungsschicht der Jüngeren einfach am meisten verbraucht. Wer kauft sich mit 80 Jahren noch ein Haus? Dazu kommt der Fakt, dass die Bevölkerung - sowohl jung als auch alt - schrumpft und damit insgesamt abnimmt.
Eine andere Frage: Warum sinkt die Beschäftigung? Warum werden immer mehr Menschen auf Stellensuche sein? Es werden doch genug Stellen frei. Ja, aber wer kann in Zeiten von Geldmangel und wirtschaftlicher Unsicherheit noch bedenkenlos teurer Personal einstellen? Die Menschen werden vorsichtiger und sparsamer. Das zeichnet sich schon heute ab.
Die Bevölkerungsschrumpfung und die demografische Alterung/Vergreisung sind zwei untrennbare Sachverhalte. Die Alterung eine automatische Folge aus der Schrumpfung.
Man könnte meinen: Die Geburten sinken, aber dafür bleiben die Alten länger erhalten, sodass unterem Strich 0 rauskommt. So ist es natürlich nicht. Die Bevölkerung schrumpft eindeutig. Die steigende Mortalität kann die sinkende Fertilität nicht kompensieren.
Die Bevölkerungsanzahl sinkt, dabei fällt der Anteil der Jungen und der Anteil der Alten steigt. Folglich steigt das Durchschnittsalter und wir reden von Demografischer Alterung oder Vergreisung.
Es ist nur logisch und menschlich, dass die Bevölkerung über Dinge wie Rezession, Wirtschaftskrise, Verarmung, Krise der sozialen Systeme und steigende Sozialbeiträge nicht glücklich ist. Im Gegenteil: Die Frustration (und auch die daraus resultierende Politik-Verdrossenheit), die wir heute schon stark spüren, wird zu nehmen.
Viele wandern dann aus - zumeist junge Leute. Also genau die Bevölkerungsschicht, an der es uns mangelt, sucht das Weite und emigriert. Dadurch wird alles nur noch schlimmer. Dem entgegen wirkt natürlich noch die Zuwanderung ausländischer Menschen, die nach Deutschland ziehen. Aber der Einfluss von Migration ist wie oben gesagt, nicht Thema dieses Referates.
Herrschen demografische Alterung bei abnehmender Bevölkerung vor, spricht man von demografischer Instabilität. Deutschland ist auf den besten Weg dorthin.
Dadurch wird die Nation zwangläufig uninteressant für internationale Investoren, die sich natürlich hüten werden, in ein demografisch instabiles Land zu investieren. Das kann man ihnen nicht verdenken, aber somit wird die soziale und wirtschaftliche Not im Land nur noch schlimmer und somit wiederum auch die Chancen für Investoren. Eine Teufelsspirale.
Angesichts dieser düsteren Aussichten, drängt sich die Frage auf, was zu tun ist.
Die Regierung begnügt sich zur Zeit damit, die Symptome zu bekämpfen, nicht aber die Ursachen: Man merkt, dass das Geld fehlt und erhöht flux die Beiträge. Somit will man der Krise entgehen, was natürlich lächerlich ist, wenn man sich ein wenig mit der Thematik auseinander setzt. Steuererhöhungen bringen langfristig gar nichts. Im Gegenteil: Sie wirken eher kontraproduktiv. Ein Volk zahlt nun mal nicht gerne Steuern und schon gar nicht überhöhte.
Es gilt die Ursache zu bekämpfen: Die sinkenden Geburtenzahlen. Doch was sind die Ursachen für diese Ursache? Und genau dort muss man ansetzten. Sicherlich an Dingen wie den Wertewandel und die Emanzipation der Frau - 2 wichtige Gründe für den Geburtenrückgang - kann der Staat nicht viel tun. Aber es gibt noch weitere: hohes wirtschaftliches Risiko für die Eltern aufgrund der hohen Kosten von Kindern und das bei zunehmender sozialer Not und Resignation. Doch eben dieser Mangel an Kindern macht die soziale Not nur noch schlimmer. Und wieder eine Teufelsspirale.
Der Staat muss eine gesunde und solide Basis für die Familiengründung bieten. Dabei ist zubedenken, dass unsere Probleme tief greifend sind und nicht von heute auf morgen lösbar sind.
Unser Sozialsystem ist einfach nicht für einen solchen Altersaufbau gedacht. Damit hat Herr Adenauer wohl nicht gerechnet, als er es mit prägte. Kinder wird es immer geben, dachte er. Damals mag das wohl gestimmt haben. Aber die goldenen 60er und das Wirtschaftwunder sind lange vorbei.
Unser Sozialsystem ist überholt, aber eine Reformation würde viel zu sehr schmerzen, als dass wir den Mut und das Durchhaltevermögen hätten, sie durchzuführen. Stattdessen werfen wir uns schützend vor diesen alten Mann - unser Sozialsystem - und versuchen ihn mit allen Mitteln (Steuererhöhung...) durch diese schwere Zeit zu bringen. "Irgendwann wirds schon besser werden..."
Es zeigt sich, wie fatal der Einfluss der demografischen Alterung und der Bevölkerungsschrumpfung auf die Wirtschaft, das Wachstum, den Wohlstand, ja, auf das Gedeihen einer ganzen Nation überhaupt ist. Es kann eine ganze Nation zu Grunde richten... wenn man blind auf sie zu steuert.
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