Friedrich Schiller - Kabale und Liebe Die Personen, der Inhalt und eine Szenenübersicht

Autor: Philipp Hauer

Personen

Fürst

  • Erscheint selbst nicht auf der Bühne, ist aber als absolutistischer Landesherr die unsichtbare Macht im Hintergrund
  • Verkörpert die Willkürherrschaft: verkauft Untertanen als Soldaten und finanziert damit seinen aufwendigen Lebensstil

Präsident von Walter

  • Mächtigster Adliger am Hof, der seine Stellung durch die Beseitigung seines Amtsvorgängers erlangt hat
  • Verfolgt rücksichtslos seine politischen Ziele und lehnt die Verbindung seines Sohnes mit einem bürgerlichen Mädchen kategorisch ab

Ferdinand von Walter

  • Der Sohn des Präsidenten, im Rang eines Majors
  • Liebt Luise aufrichtig und mit leidenschaftlicher Hingabe, obwohl sein Vater darin nur eine standeswidrige Spielerei sieht
  • Sein Vater plant, ihn mit Lady Milford zu verheiraten, um den eigenen Einfluss am Hof abzusichern
  • Wirft seinem Vater vor, sich durch Korruption und Verbrechen an die Macht gebracht zu haben, und lehnt dessen skrupellose Methoden ab

Kalb

  • Hofmarschall am fürstlichen Hof
  • Eine komische Figur, die das höfische Leben karikiert: eitel, unterwürfig und stets bemüht, beim Fürsten Eindruck zu schinden. Sein überladenes Auftreten mit modischer Kleidung nach französischem Stil und übertriebenen Manieren macht ihn zur Lachnummer.

Lady Milford

  • Die Geliebte des Fürsten und dadurch eine der einflussreichsten Personen bei Hofe
  • Besitzt trotz ihrer privilegierten Stellung ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und nutzt ihre Position, um das Leid der Bevölkerung zu mildern
  • Eine im Grunde integre Persönlichkeit, die an den Widersprüchen des absolutistischen Hoflebens letztlich zerbricht

Wurm

  • Dient dem Präsidenten als persönlicher Sekretär und Berater
  • Buhlt ebenfalls um Luise und sieht in Ferdinand einen Rivalen
  • Als Bürgerlicher glaubt er, bei Luise bessere Chancen zu haben, und ist der Urheber der hinterhältigen Intrige gegen die Liebenden

Miller

  • Ein einfacher Stadtmusiker, der als Kunstpfeifer seinen Lebensunterhalt verdient

Frau Miller

  • Die Ehefrau des Musikers Miller

Luise

  • Millers Tochter, die Ferdinand mit aufrichtigen Gefühlen liebt
  • Als Bürgerin verkörpert sie die Unschuld und moralische Stärke gegenüber der gefühllosen Aristokratie – ein typisches Motiv der Sturm-und-Drang-Epoche. Zugleich deutet die ernsthaft erwiderte Liebe darauf hin, dass die starren Standesgrenzen bröckeln.
  • Von tiefem Pflichtgefühl geprägt: Sie hält einen erzwungenen Schwur ein, selbst wenn es sie das Leben kostet

Sophie

  • Die persönliche Zofe von Lady Milford

Inhalt

Der junge Major Ferdinand von Walter, Sohn des mächtigsten Adligen an einem kleinen deutschen Fürstenhof, hat sich in die Bürgerstochter Luise Miller verliebt. Ihr Vater, ein bescheidener Stadtmusiker, steht dieser standesübergreifenden Verbindung ebenso skeptisch gegenüber wie Ferdinands Vater, der Präsident. Luise selbst wird von Gewissensbissen geplagt, während der leidenschaftliche Ferdinand sie zur gemeinsamen Flucht drängt – ein Schritt, den sie aus Pflichtgefühl gegenüber ihrem Vater nicht gehen kann. Ferdinands Vater verfolgt derweil eigene Pläne: Er will seinen Sohn mit Lady Milford, der Mätresse des Fürsten, verheiraten, um seine Machtstellung zu festigen. Gemeinsam mit seinem berechnenden Sekretär Wurm spinnt er eine Intrige: Luises Eltern werden unter dem Vorwand der Majestätsbeleidigung eingekerkert. Wurm stellt Luise vor die Wahl – entweder sie schreibt einen gefälschten Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb, oder ihre Eltern müssen sterben. Unter Tränen fügt sie sich und muss zusätzlich schwören, den Brief gegenüber allen als freiwillig verfasst auszugeben.

Als Ferdinand den vermeintlichen Liebesbrief in die Hände bekommt, ist er zutiefst getroffen und von rasender Eifersucht gepackt. Er sinnt auf Vergeltung. Luise ihrerseits erwägt den Freitod, um sich sterbend von ihrem Schwur zu lösen und Ferdinand die Wahrheit offenbaren zu können. Doch ihr Vater hält sie zurück, indem er ihren Suizidplan als Verrat an ihm darstellt. So muss Luise schweigen, während Ferdinand sie mit Vorwürfen überhäuft. Am Ende vergiftet Ferdinand sowohl Luise als auch sich selbst. Erst im Sterben ist Luise ihres Eides entbunden und enthüllt die Intrige. Sterbend verzeiht sie Ferdinand, und dieser reicht im letzten Augenblick seinem eigenen Vater die Hand als Zeichen der Vergebung.

Szenenübersicht

Akt 1

Akt Szn Ort Personen Inhalt
1 1 Millers Haus Miller, Frau Das Ehepaar Miller streitet über die Beziehung zwischen Ferdinand und Luise. Frau Miller befürwortet die Verbindung, ihr Mann lehnt sie ab. Miller droht, den Präsidenten darüber in Kenntnis zu setzen.
2 Miller, Frau, Wurm Wurm erscheint und bekundet sein Interesse an Luise. Frau Miller versucht, ihn abzuwimmeln. Wurm zieht sich zurück, hat aber die entscheidende Information mitgenommen: Ferdinand besucht Luise regelmäßig und ist in sie verliebt.
3 Miller, Frau, Luise Miller stellt seine Tochter zur Rede und macht deutlich, dass er eine Heirat mit dem Major nicht gutheißen kann. Dann verlässt er das Zimmer.
4 Ferdinand, Luise Ferdinand schwört Luise leidenschaftlich seine Liebe. Doch sie reagiert zurückhaltend und entfernt sich schließlich. Ferdinand bleibt fassungslos allein zurück.
5 Saal beim Präsidenten Präsident, Wurm Wurm berichtet dem Präsidenten von Ferdinands Liebesverhältnis mit Luise. Der Präsident durchschaut dabei auch Wurms eigennütziges Motiv, an Luise heranzukommen. Er beschließt, Ferdinand durch eine arrangierte Verlobung mit Lady Milford an sich zu binden und damit seinen Einfluss beim Fürsten zu sichern. Ferdinand soll davon zunächst nichts erfahren.
6 von Kalb, Präsident Der Präsident beauftragt den Hofmarschall von Kalb, die geplante Verlobung Ferdinands mit Lady Milford öffentlich bekannt zu machen und die Nachricht auch der Lady selbst zu überbringen.
7 Präsident, Ferdinand Der Präsident versucht, seinem Sohn die Beziehung zu Luise auszureden, indem er ihm eine glänzende Karriere an der Seite Lady Milfords in Aussicht stellt. Es kommt zu einem heftigen Wortwechsel, in dem Ferdinand seinen Vater verflucht. Schließlich befiehlt der Präsident Ferdinand, bei der Lady vorzusprechen, und droht ihm andernfalls mit seinem Zorn.

Akt 2

Akt Szn Ort Personen Inhalt
2 1 Ein Saal im Palais der Lady Milford Lady, Sophie Lady Milford gesteht ihrer Zofe, dass sie Ferdinand liebt. Ihre Verbindung mit dem Fürsten ist sie nur eingegangen, um auf diesem Weg Ferdinand nahe zu kommen.
2 Lady, Sophie, Kammerdiener Ein Kammerdiener überbringt Juwelen als Geschenk des Fürsten und berichtet dabei unter Tränen, dass der Fürst 7000 Landessöhne als Soldaten verkauft hat und auf Protestierende schießen ließ. Die Edelsteine sind der Erlös aus diesem Menschenhandel. Die Lady beschließt, die Juwelen zu verkaufen und den Ertrag vierhundert notleidenden Bürgern zukommen zu lassen, die durch einen Stadtbrand in Schuldknechtschaft geraten sind.
3 Lady, Ferdinand Ferdinand eröffnet der Lady, dass er auf Geheiß seines Vaters gekommen ist und sie nicht heiraten will. Daraufhin erzählt Lady Milford von ihrer Vergangenheit: Ihre adlige Familie wurde in England verfolgt, der Fürst nahm sie auf. Sie nutzte ihren Einfluss bei ihm, um das Schlimmste für die Bevölkerung abzuwenden, und erpresste von ihm einen Schwur, keine Menschen mehr zu opfern. Ferdinand sollte ihre Belohnung dafür sein.
Als Ferdinand ihr offenbart, dass er die bürgerliche Luise liebt, bricht die Lady zusammen – nicht nur wegen der verlorenen Liebe, sondern weil sie nun dem Spott des ganzen Landes ausgesetzt ist.
4 Zimmer beim Musikanten Miller, Frau, Luise Miller ist aufgebracht, weil seine Frau sich gegenüber Wurm verplaudert hat. Er beschließt, selbst zum Präsidenten zu gehen und die Sache offen darzulegen.
5 Miller, Frau, Luise, Ferdinand Ferdinand trifft ein und es kommt zu einer erregten Auseinandersetzung. Am Ende bekräftigt Ferdinand erneut seine Liebe zu Luise.
6 Miller, Frau, Luise, Ferdinand, Präsident Der Präsident platzt herein und beleidigt Luise. Es entbrennt ein dreifacher Konflikt: zwischen Vater und Sohn, zwischen Präsident und Miller, zwischen Adel und Bürgertum. Der Präsident ordnet an, Miller in den Kerker zu werfen und Frau sowie Tochter an den Pranger zu stellen.
7 Miller, Frau, Luise, Ferdinand, Präsident, Gerichtsdiener Gerichtsdiener wollen Luise abführen. Ferdinand greift zum Degen, warnt mehrfach und verletzt schließlich einige der Schergen. Dann droht er seinem Vater offen: Er werde dem Fürsten enthüllen, dass der Präsident seinen Amtsvorgänger ermorden ließ, um an die Macht zu gelangen.

Akt 3

Akt Szn Ort Personen Inhalt
3 1 Saal beim Präsidenten Präsident, Wurm Wurm entwirft den Plan der eigentlichen Intrige: Luises Eltern sollen verhaftet werden, damit Luise unter Druck einen falschen Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb verfasst. Sie muss schwören, den Brief als freiwillig geschrieben darzustellen.
Ziel ist es, Ferdinand durch Eifersucht so zu verletzen, dass er sich von Luise abwendet.
2 Präsident, von Kalb Der Präsident überredet den Hofmarschall, seinen Namen für das fingierte Liebesabenteuer herzugeben. Nach langem Zögern – von Kalb fürchtet, seine politische Laufbahn zu ruinieren, falls Ferdinand seine Drohung wahr macht – willigt er schließlich ein.
3 Präsident, Wurm Der Präsident zeigt sich zufrieden mit dem gefälschten Brief. Die Verschwörung gegen die Liebenden läuft planmäßig.
4 Zimmer in Millers Wohnung Luise, Ferdinand Eine aufgewühlte Begegnung: Luise erklärt Ferdinand, dass sie die Beziehung beenden muss bzw. er sie verlassen soll. Ferdinand wittert, dass eine bestimmte Verpflichtung – oder gar ein anderer Mann – dahintersteckt.
5 Luise, (Wurm) Luise wartet allein und macht sich zunehmend Sorgen, weil ihre Eltern seit fünf Stunden nicht zurückgekehrt sind.
6 Luise, Wurm Wurm erscheint und teilt Luise mit, dass ihre Mutter im Zuchthaus sitzt und ihr Vater im Gefängnisturm. Sie steht vor der Wahl: entweder sie opfert ihre Eltern oder Ferdinand. Unter diesem Zwang schreibt sie den von Wurm diktierten Liebesbrief. Wurm bietet ihr außerdem an, sie trotz der Schande zu heiraten – Luise weist ihn empört zurück.

Akt 4

Akt Szn Ort Personen Inhalt
4 1 Saal beim Präsidenten Ferdinand, Diener Ferdinand ist außer sich, nachdem er den an den Hofmarschall gerichteten Liebesbrief Luises entdeckt und gelesen hat.
2 Monolog Ferdinands Allein mit seinen Gedanken, steigert sich Ferdinand in Wut und Schmerz hinein. Er glaubt, Luise habe alles von Anfang an geplant, und schwört Rache.
3 Ferdinand, von Kalb Ferdinand reißt zwei Pistolen von der Wand, woraufhin der Hofmarschall in Panik gerät. In einem erregten Verhör beteuert von Kalb schließlich, Luise überhaupt nicht zu kennen.
4 Monolog Ferdinands Ferdinand glaubt dem Hofmarschall nicht. Er fühlt sich an sein Liebesversprechen gebunden und ist zugleich voller Zorn auf Luise. Sein innerer Konflikt spitzt sich zu.
5 Ferdinand, Präsident Ferdinand sucht seinen Vater auf und erzählt ihm, Luise habe ihn betrogen. Der Präsident stellt sich listig, als wolle er die Heirat mit Luise nun doch erlauben. Getäuscht und verwirrt stürmt Ferdinand hinaus.
6 Ein prächtiger Saal bei der Lady Lady, Sophie Sophie versucht, die wahren Gefühle der Lady zu ergründen. Lady Milford reagiert gereizt und aufgebracht.
7 Lady, Luise Lady Milford empfängt Luise und wechselt dabei zwischen verschiedenen Strategien: Zunächst bietet sie ihr eine Anstellung als Dienerin an, dann beschimpft sie sie, um sogleich wieder freundlich zu werden. Ziel ist es, Luise dazu zu bewegen, Ferdinand aufzugeben. Luise gibt tatsächlich nach, äußert dabei aber Gedanken an Selbsttötung.
8 Lady Die Lady ist erschüttert darüber, dass Luise Ferdinand bereitwillig aufgibt, als wäre er ein Handelsgut. Zutiefst betroffen fasst sie den Entschluss, sich vom Fürsten loszusagen.
9 Lady, von Kalb, Sophie Lady Milford verfasst einen Abschiedsbrief an den Fürsten, in dem sie sich von ihm trennt und ihre Flucht ins Ausland ankündigt. Der Hofmarschall soll das Schreiben überbringen, was er nur äußerst widerwillig übernimmt, da er den Zorn des Fürsten fürchtet. Ihren gesamten Schmuck verschenkt sie an die Bediensteten.

Akt 5

Akt Szn Ort Personen Inhalt
5 1 Zimmer bei Miller Luise, Miller Luise trägt sich mit dem Gedanken, gemeinsam mit Ferdinand in den Tod zu gehen, um im Jenseits vereint zu sein. Ihr Vater erkennt ihre Absicht und reicht ihr provokant einen Dolch – woraufhin Luise merkt, dass sie die Tat nicht vollbringen kann, und von ihrem Vorhaben ablässt.
2 Luise, Miller, Ferdinand Ferdinand konfrontiert Luise mit dem Brief und fragt sie direkt, ob sie ihn geschrieben hat. Mit schwerem Herzen bejaht sie es. Miller ermutigt seine Tochter durchzuhalten. Ferdinand bittet Luise anschließend, ihm ein Glas Limonade zu bringen.
3 Miller, Ferdinand Ferdinand und Miller sprechen über die Anfänge der Liebesgeschichte: Ferdinand hatte bei Miller Flötenunterricht nehmen wollen und lernte dabei Luise kennen. Ferdinand erkundigt sich, ob Luise Millers einziges Kind sei. Der Vater bekennt, dass seine Tochter sein ganzes Lebensglück bedeutet.
4 Ferdinand In einem Monolog wird Ferdinand bewusst, dass er dem alten Miller mit Luises Tod die einzige Freude nehmen würde – alles, was der Mann besitzt, ist seine Musik und seine Tochter. Dennoch entschließt er sich, seinen finsteren Plan in die Tat umzusetzen.
5 Miller, Ferdinand Ferdinand übergibt Miller sein gesamtes Vermögen in Goldmünzen – als Ausgleich für die drei Monate der Liebe zu Luise. Miller ist vom plötzlichen Reichtum überwältigt und schmiedet euphorische Pläne: günstigere Musikstunden, Französischunterricht für Luise. Ferdinand muss ihn zur Besinnung bringen.
6 Miller, Ferdinand, Luise Ferdinand schickt Miller mit einer Nachricht zum Präsidenten: Er könne nicht zum Abendessen erscheinen. Luise soll im Haus bleiben. Sobald sie fort ist, mischt Ferdinand heimlich Gift in die Limonade und ringt ein letztes Mal mit seinem Gewissen.
7 Ferdinand, Luise Beide trinken die vergiftete Limonade. Luise ahnt nichts. Als das Gift zu wirken beginnt, fühlt sie sich vom Eid befreit und offenbart Ferdinand die gesamte Wahrheit über die Intrige. Ferdinand will in seiner Verzweiflung den eigenen Vater töten. Luise stirbt.
8 Zimmer bei Miller Ferdinand, Präsident, Wurm, Miller, Volk, Gerichtsdiener, Leiche Luises Miller findet seine tote Tochter und schleudert dem sterbenden Ferdinand die Goldmünzen vor die Füße. Ferdinand beschuldigt mit letzter Kraft seinen Vater, den Mord verursacht zu haben. Der Präsident versucht, alle Schuld auf Wurm abzuwälzen. Der erzürnte Wurm kündigt daraufhin an, vor Gericht gegen den Präsidenten auszusagen und dessen Verbrechen beim Aufstieg an die Macht zu enthüllen.

Ferdinand stirbt neben Luise. Im letzten Moment reicht er seinem Vater die Hand – der Präsident deutet diese Geste als Vergebung. Präsident und Wurm werden abgeführt.