Der Brüder Heinrich und Thomas Mann Herkunft und Lebensverhältnisse der Eltern und Großeltern

Eine Ausarbeitung von Philipp Hauer. 29.10.2007. ©

Die Vorfahren väterlicherseits

Vater Thomas Johann Heinrich Mann

Die Geschichte der Familie Mann, von jeher eng mit der Tradition Lübecks verbunden, begann bereits im 16. Jahrhundert.

Der Urgroßvater der Gebrüder Mann, Johann Siegmund Mann, siedelte im Jahre 1775 als Kaufmannslehrling aus Mecklenburg nach Lübeck um, wo er 1790 eine eigene Firma gründete: „Johann Siegmund Mann, Commissions- und Speditionsgeschäft“.

Dessen Sohn, der Großvater Thomas und Heinrich Manns, Johann Siegmund Mann jun., heiratete Elisabeth Marty, die Tochter eines wohlhabenden, schweizerisch abstammenden Kaufmanns. Aus dieser Ehe ging 1840 Thomas Johann Heinrich Mann hervor, der Vater der Gebrüder Mann. Mit 22 Jahren übernahm dieser (ebenso wie sein Vater zuvor) die Firma seines Urgroßvaters. 1877 wurde er zum Senator für Wirtschaft und Finanzen der Hansestadt Lübeck ernannt. Damit war er der zweitwichtigste Politiker der Stadt – gleich nach dem Bürgermeister Lübecks.

Thomas Mann schätzte seinen Vater für seine Arbeitssamkeit und sein Ansehen:

„Ich sah […] den bewunderten, mit furchtsamer Zärtlichkeit geliebten Mann des Tages, meinen Vater, weltgewandt ein Jahrhundert bürgerlicher Tüchtigkeit repräsentieren, und mein Herz war beklommen.“

Sowohl für Thomas Mann als auch für Heinrich Mann war ihr Vater die dominante Figur und das geheime Vorbild für ihre dichterischen Tätigkeiten.

Auch Heinrich Mann würdigte seinen Vater:

„Unser Vater arbeitete mit derselben Gewissenhaftigkeit für sein Haus wie für das öffentliche Wohl. Weder das eine noch das andere würde er dem Ungefähr überlassen. […] Es gibt kein Genie außerhalb der Geschäftsstunden.“

Die Vorfahren mütterlicherseits

Mutter Julia Da Silva Bruhns

Der Lübecker Weinhandelskaufmann Johann Ludwig Bruhn, der Großvater Thomas und Heinrich Manns mütterlicherseits, wanderte mit 19 Jahren nach Brasilien aus, wo er 1841 in Sao Paulo eine Exportfirma gründete, die florierte und sich rapide entwickelte. 1848 heiratete er Maria da Silva, die Tochter eines wohlhabenden Grundbesitzers mit portugiesischer Abstammung.

1851 kam Julia da Silva Bruhns, die Mutter der Gebrüder Mann, zur Welt. Als Maria da Silva Bruhns bei der Geburt eines weiteren Kindes stirbt, siedelte die gesamte Familie Bruhns 1856 nach Lübeck um. Johann Ludwig Bruhn fühlte sich bald sehr unwohl in der protestantischen Enge der Hansestadt und kehre nach Brasilien zurück, wobei er Julia mit ihren Schwestern in einem Lübecker Mädchenpensionat zurückließ. Nur zu gut, kann man sich den Kulturschock der 7jährigen Julia vorstellen, als sie von Brasilien in den kühlen, strengen Norden Deutschlands gebracht wird.

Obwohl sie 1869 schließlich Thomas Johann Heinrich Mann heiratete, bliebt sie für die traditionsbewusste hanseatische Kaufmannwelt, der ihr Mann angehörte, stets ein Fremdwesen. Dass sie sich nie wirklich wohl fühlte, zeigt sich, als sie nach dem Tod ihres Mannes aus Lübeck fortzog. Ihr südländisches, lebensfrohes Temperament vertrug sich nicht mit der kalten Strenge Lübecks. Ihre musische Art und ihre Leidenschaftlichkeit übertrüg sie auf ihre Kinder, Thomas und Heinrich Mann.

Thomas Mann beschrieb seine Mutter als Frau der schönen Künste:

„Ihre sinnlich-praeartistische Natur äußert sich in Musikalität, geschmackvollem, bürgerlich ausgebildetem Klavierspiel und einer feinen Gesangskunst, der ich meine gute Kenntnis des deutschen Liedes verdanke.“

Das Leben der Familie Mann

Thomas und Heinrich Mann wuchsen in einer wohlhabenden, angesehenen und kinderreichen Familie auf. Insgesamt 5 Kinder hatten Thomas Johann Heinrich Mann und seine Frau Julia: 1871 Luiz Heinrich, 1875 Paul Thomas, 1877 Julia Elisabeth Therese, 1881 Carla Augusta Olga Maria und schließlich 1890 Carl Viktor. Sie lebten seit jeher in wohlhabenden Verhältnissen, denen sie ihrem Vater, dem Senator, verdankten. So zogen sie 1883 in ein selbst gebautes, elegantes Stadthaus. Daneben besaßen sie ein zweites Heim – das alte Familienhaus bei der Marienkirche, dem heutigen Buddenbrook-Haus. Ebenso verbrachten die Manns ihre Ferien oft im Seebad Travemünde, wo ein unbeschwertes Leben möglich wurde – eine willkommene Abwechslung zum strengen Leben in der Lübecker Innenstadt.

Folglich fehlte es der Familie Mann materiell an nichts, was den Kindern eine gehegte und glückliche Kindheit ermöglichte.

Doch nicht alle Aspekte der Jugend der Brüder Mann waren glücklich. So bereitete das preußische Schulsystem Thomas und Heinrich große Schwierigkeiten. Ihre literarischen und musischen Vorlieben wurden nicht gefördert. Sie litten unter den Unterrichtsanforderungen und flüchteten in intellektuellen Träumereien.

Nichtsdestotrotz war im Leben der Manns auch Zeit für Muse: So besuchten sie - das Fable für Literatur und Musik von ihrer Mutter geerbt -  oft das Theater; fernab von der bedrückenden, mittelalterlichen Atmosphäre der Schule und der Stadt.

Die Kindheit Thomas‘ und Heinrichs war  zwar zum einem geprägt vom finanziellen Wohlstand, aber auch von Langeweile und Enge. Umso größer war das Verlangen auszubrechen aus ihrer kalten, öden Umwelt, welches sie letztendlich mit dem Schreiben, dem Abtauchen in eine andere Welt, befriedigen konnten.

Heinrich selbst beschreibt Lübeck als Stadt der Kaufleute, die sich über das Geld definieren und lehnt diese Lebensweise entschieden ab.

Auch Thomas‘ Texte sind gekennzeichnet vom jugendlichen Aufbäumen gegen die bürgerliche Welt Lübecks. So schreibt er:

„Unser Lübeck ist eine gute Stadt. Oh, eine ganz vorzügliche Stadt! Doch will es mich oftmals bedünken, als gliche sie jenem Grasplatz, bedeckt mit Staub, und bedürfte des Frühlingssturms, der kraftvoll das Leben herauswühlt aus der erstickenden Hülle.“

Der Vater Thomas Johann Heinrich Mann ließ seinen Kindern eine praktische, strenge Erziehung angedeihen  – typisch für die arbeitssame Lübecker Kaufmannsgesellschaft. Als er erkannte, dass seine Kinder sich nicht nach seinen Wünschen entwickelten, ließt er die Firma in seinem Testament verkaufen, da er seine Söhne für ungeeignet hielt, sein traditionsreiches Unternehmen vorzuführen. Nach dem Tod des Vaters war nun für Julia Mann und den Kindern endgültig kein Platz in der bürgerlich kaufmännischen Welt der Hansestadt und sie zogen wenige Zeit später nach München um.

Einflüsse auf das Schaffen der Gebrüder Mann

Die Brüder Thomas und Heinrich Mann

Obwohl sowohl Heinrich als auch Thomas Mann Lübeck mit 18 Jahren verlassen, ist ihr späteres Schaffen gekennzeichnet von der Hansestadt. So beschreibt Heinrich Mann die Hafengegend Lübecks in seinem Roman Professor Unrat. Thomas Mann verwendet die „Institution der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnutziger Tätigkeiten“ in seinem Doktor Faustus. Ebenso beeinflusste Lübeck das Erscheinungsbild der Stadt Kaisersaschern in diesem Roman, sowie Thomas Manns Buddenbrooks.

Auch die Einflüsse und das Leiden der Manns unter dem preußischen Schulsystem spiegeln sich in ihren Werken wieder. So beschreibt Heinrich Mann in Professor Unrat den Untergang eines Gymnasialprofessors und Thomas Mann lässt Hanno in Buddenbrooks ebenso unter der Schule leiden wie einst er selbst.

Auch die Erinnerungen an das Spiel mit dem Puppentheater im Kinderzimmer findet in den Buddenbrooks Eingang. So spielt der kleine Hanno ebenso gerne mit dem Puppentheater wie Heinrich und später Thomas Mann selber.

Zusammenfassung

Wären die Gebrüder Mann nicht in Lübeck als Sohn eines reichen, tüchtigen Kaufmanns und einer leidenschaftlichen, musischen Brasilianerin großgeworden, wären ihre Werke nicht das, was sie heute sind: geprägt von der Herkunft und den Lebensverhältnissen ihrer Eltern.

Der Wohlstand ihres Vaters erlaubt ihnen sich der mütterlichen Muse und dem Intellektuellem zuzuwenden. So begannen beide zu schreiben und verarbeiteten dabei auch ihre Erfahrungen, die sie in ihrer Jugend in Lübeck gemacht haben. Professor Unrat, Doktor Faustus und natürlich Die Buddenbrooks sind voller Anspielungen auf ihre Heimat.

„Ohne Familien- und Heimatsinn, ohne Liebe zu Familie und Heimat werden Bücher wie Buddenbrooks nicht geschrieben.“, Thomas Mann, 1905

Quellen und Weblinks

  • "Die Manns - Eine Schriftstellerfamilie. Austellungsführer". Katalogheft zur ständigen Ausstellung "Die Manns - eine schriftstellerfamilie" im Buddenbrookshaus Lübeck. Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum.
  • Kurzporträt Thomas Mann und Kurzporträt Heinrich Mann von Hans-Werner Gey (lyrikwelt.de)

Kommentare

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horni 2013-03-15 08:23:40
beeeeeste buch was ich je gelesen habe !
Danke Thomas, ich bin dir so dankbar, du hast mein Leben bereichert !
R.I.P Bruder !

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